ALFA BETA META 3
Photo: Boris Petrovsky

Projekt Title: ALFA BETA META

ALFA BETA META – die gläserne Fabrik

Zurück in eine Zukunft, die noch der Gegenwart folgte.

Eine performatives Objekt, eine szenische Konstellation und Bilderströme.

Vorgefundene Werkfotos aus der ehemaligen informationsverarbeitenden Industrie in Konstanz und 
eine Television in ein ehemaliges Werksgebäude, werden zu einem performativen Objekt, das zum 
Ausgangspunkt für gedankliche Exkursionen und poetische Reflexionen wird. 

»ALFA BETA META – die gläserne Fabrik« ist der erste Teil einer zweiteiligen, künstlerischen 
Auseinandersetzung mit dem und über das Erbe der medialen Moderne und wie sie weiter wirkt. 
Mit der Ausstellung gibt Petrovsky auch einen persönlichen Einblick in Einflüsse, Denkweisen,
Ansätze und Fragestellungen, die seine künstlerische Arbeit prägen.

Samstag, 08. September 2018 | 17 Uhr | Turm zur Katz | Kulturzentrum am Münster | Wessenbergstrasse 43 | 78462 Konstanz |

Bis 03. Oktober | Ausgerichtet vom Kulturamt der Stadt Konstanz | Ausstellungsreihe »Zwischen den Türmen«


 

Künstlerführung / Guided tour with artist
in »ALFA BETA META – die gläserne Fabrik«
Samstag / Saturday | 29. September 2018 | 11 Uhr / 11 a.m.
Turm Konstanz | Wessenbergstrasse 43 | 78462 Konstanz

 

Werkangaben
Aluminiumprofile, Beschläge, Stahlseile, Plexiglasplatten, Monitor, Sherpa Wall Dokumentenhalter, Mikrocomputer, 82 Fotos (39 Original-Werkfotos u. Papierabzüge s/w v. Ende 60er/ Anfang 70er Jahre, 44 Fotoausdrucke von 2018)

Breite 6,8 m Höhe 2,1 m Tiefe 1,4 m

Danke an Bruder Werbetechnik Allensbach für das Plexiglas

Mitarbeit: Janosch Blummer (Assistenz Montagearbeiten), Tanja Eberhard (Fotohandling), Georg Nagel (Programmierung Monitor)



ALFA BETA META - die gläserne Fabrik

Vorgefundene Werkfotos aus der ehemaligen informationsverarbeitenden Industrie in Konstanz und eine Television in ein ehemaliges Werksgebäude, werden zu einem performativen Objekt in einer szenischen Konstellation, das zum Ausgangspunkt für gedankliche Exkursionen und poetische Reflexionen wird.

Fotomaterial aus der Arbeitswelt von Petrovskys Vater ist Ausgangsmaterial für die künstlerische Arbeit. Weiteres Material aus der Zeit entstammt ausgedehnten Recherchen.
Die Werkfotos, vermutlich großteils von der Konstanzer Fotografin Pia Stengele (1922-1997) im Auftrag der Firmen als Werkfotos erstellt, zeigen Großrechner, Sortiermaschinen, Studiotechnik und Arbeitssituationen aus der Entwicklung, Produktion und Anwendung.
»ALFA BETA META – die gläserne Fabrik« ist der erste Teil einer zweiteiligen, künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Erbe der medialisierten Moderne und wie sie weiter wirkt. Mit der Ausstellung gibt Petrovsky auch einen persönlichen Einblick in Einflüsse, Denkweisen, Ansätze und Fragestellungen, die seine künstlerische Arbeit prägen und mit dem Ort zu tun haben. Auf die Ausstellung »Übers(S)ehen« über die Architektur der Nachkriegsmoderne in Konstanz, die im Februar ebenfalls im Turm zur Katz zu sehen war, wird hier mit künstlerischen Mitteln Bezug genommen.
Der zweite Teil, »TOTAL RECOURSE – im Prüffeld«, wird im Oktober am ehemaligen Industriestandort der AEG-Telefunken in Konstanz gezeigt.

FLÜSSIGES MANIFEST
MANIFESTES FLÜSSIG

Die Bilder, die uns aus der Moderne erreichen, erscheinen uns ikonisch. Vielleicht lassen sie uns vergessen, wie sich das Verhältnis von Bedeutung und Bild verflüssigt und verselbstständigt hat oder anders gesagt, wie alles zum Code geworden ist.. Es ist paradox (oder entspringt unserer Wunschvorstellung), dass wir den Bilder aus ihrer Ästhetik her eine Bedeutsamkeit zuschreiben, die einem Eindruck folgt, es seien Standbilder aus Filmen, aus den großen Erzählungen, die es nur noch im Film und in der Erinnerung aus der Vergangenheit geben kann.

Die Besucher finden sich in der Ausstellung als Teil einer szenischen Konstellation wieder und können auch von anderen darin als performativ Handelnde wahrgenommen werden. Sie scheinen sich vor der Konsole im Ausstellungsraum wie spiegelbildlich (oder plausibel ) zu den fotografischen Situationen in ähnlichen Positionen, Haltungen, Gesten und Blicken zu verhalten. Die Personen auf den Fotos wiederum scheinen deutlich sichtbar auf den Moment der Entstehung des Fotos reagiert zu haben – in dem sie offensichtlich nicht darauf reagierten. Die Besucher erleben sich dann, bewusst oder unbewusst, in der Perspektive von Fotografierenden im Moment des Fotoschießens. Sie stellen die Zeitlichkeit der Fotos ein weiteres Mal still. Die Fotos mit Gerätschaften scheinen dagegen den konstruierenden Blick herauszufordern.

Raum und Gebäude verschneiden sich mit Objekt und Bildern bis in die resonierende Farbtönigkeit und Lichtsituation. Sie sind zu Bestandteilen der szenischen Konstellation geworden, ebenso wie der Gebäudeinnenraum des Industriegeländes, der in der Television zu sehen ist.
Ist der Aufbau ein panoptisches Kontrollzentrum, ein Messeaufbau, ein Kunstobjekt, ein Verkaufsdisplay oder ein Story- und Moodboard? Hier werden in einem erweiterten Sinne Fragen nach dem Verhältnis von Zeit, Bild, Bedeutung, Mensch, Objekt aufgeworfen. Für das Objekt und seine integrierten Bilder werden die Fragen konkreter: Was ist dokumentarisch, was fiktional? Was ist vorgefunden, was hinzugefügt? Was ist Modell, was realisiert, was inszeniert? Welche Rolle spielen Größenverhältnisse dabei? Gibt es implizite Funktionen? Was ist Fakt, was Fetisch? Lässt sich das überhaupt noch fragen? Verschneidet sich die konstruktivistische Komposition in sich selbst zu einem Kurzschluss, der Sinnüberschuss produziert? Was, wenn Alles ineinander auseinander fällt?

Petrovsky beschäftigt sich in seiner künstlerischen Arbeit mit den Zusammenhängen von Vorstellung und Zeichen, Begriff und Objekt in einer hypermedialisierten Welt. Er arbeitet mit Vorgefundenem und Eigenem, kombiniert es mit und zu Erzählungen, die offen und präzise zugleich in einem Spannungsfeld zwischen Kontingenz und Komposition gehalten werden und führt uns dabei zu Momenten, an denen die Gemachtheit der Dinge und ihre fiktionalen und utopischen Untertöne resonieren und in denen etwas des Unwirklichen der Wirklichkeit aufscheint (in diesem Sinne genauer: aufzuscheinen scheint). Vorgänge und Entwicklungen, die abgeschlossen scheinen, biegen sich auf sich selbst zurück bis sie, kurz geschlossen mit sich selbst, implodieren – trotz einer Massivität der Objekte, die sich aber gerade dann als höchst fragil erweist. Von ihrem komplexen Ansätzen her, ihrer Entstehung, als auch von der Wirkästhetik, sieht Petrovsky seine künstlerischen Arbeiten auch als "gebaute Filme".